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Pfarrbrief Februar März April Mai

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Liebe Schwestern und Brüder,


 

Was ist das? Tiefes Schweigen herrscht heute auf der Erde, tiefes Schweigen und Einsamkeit. Tiefes Schweigen, weil der König ruht. "Furcht packt die Erde, und sie verstummt"
Mit den Worten beginnt die zweite Lesung in der Lesehore des Stundengebets am Karsamstag. Schweigen und Einsamkeit -  Wie bedeutsam sind die Worte im vergangenen Jahr geworden.
Seit März 2020 herrschen in der Welt ein gewisses Schweigen und eine gewisse Einsamkeit. Man hört weniger von anderen Menschen, der Klang von den Kirchenliedern ist nicht zu hören, der Fluglärm kommt deutlich seltener vor. Die Welt wurde gezwungen zu schweigen. Warum? „Ich habe doch etwas geplant.“,  „Ich habe mir das anders vorgestellt und was nun?“ Ähnliche Fragen hört man fast jeden Tag. Auf diese Fragen kommt (k)eine Antwort: das tiefe Schweigen.
Ist dann dieses Schweigen wie eine Strafe, oder könnte man das als eine Chance sehen?
Am Karsamstag herrscht auf der Erde ein tiefes Schweigen, weil der König ruht. Der König der Könige, der die Welt geschaffen hat, liegt im Grab. Was soll man in solcher Situation sagen? Man wird sprachlos.
Das Schweigen gibt immer eine Chance etwas neu zu bedenken, in sich zu gehen und genauer zuzuhören. Man könnte sagen, dass das ganze vergangene Jahr ein langer Karsamstag war. Nur der König, der gefehlt hat, ist manchmal ein anderer. Der Genuss der materiellen Welt, Reisen, Konzerte, Sicherheit usw., die ja vergänglich sind, nahm man als selbstverständlich hin. Inzwischen sind die Sachen gar nicht selbstverständlich geworden. Wahrscheinlich sind auch diese Angebote dieser Welt nicht unverzichtbar.
Vielleicht haben die Menschen eine Chance bekommen, um in der Stille des Schweigens zu schauen, der Verlust von welchem König macht mich einsam? Dem König von dieser Welt oder dem König, der  sein Thron im Himmel hat.
"Furcht packt die Erde, und die verstummt." Sie verstummt, denn der König des Himmels scheint besiegt zu sein. Eine große Furcht war sicherlich in den Jünger Jesu, als er gestorben war. Der Herr, der das ewige Leben versprochen hat, ist tot… Die Angst und Bange ist jedoch bald verschwunden. Der Herr ist auferstanden, er lebt und spricht: Fürchtet euch nicht! Habt Mut! Ich habe die Welt besiegt. Die Jünger  sind nicht mehr in Furcht gepackt. Ermuntert vom König des Himmels und der Erde hören die Jünger auf zu schweigen und gehen in die ganze Welt, um die Botschaft des auferstandenen Jesus zu verkünden. Aus den Früchten dieser Verkündigung schöpft die Kirche bis heute und sagt: nutze gut das Schweigen, finde den richtigen König, lass dich von ihm trösten und freue dich, weil er lebt und du wirst mit ihm leben!
 

Im Gebet verbunden

Tomasz Jablecki