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Pfarrbrief Dezember Januar Februar März

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Liebe Schwestern und Brüder,


 

Mitte Februar beginnt die Fastenzeit. Eine karge Zeit ist das nicht, eher eine reiche. Sie beginnt am 1. Sonntag der Fastenzeit mit der Zusage Gottes, dass er seine Welt nicht fallenlässt. Das ist ein glückliches Vorzeichen für alles, was uns begegnet, was wir machen können und was uns entgleitet.
Die große Zusage Gottes verwandelt sich in einen Auftrag: „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!“ Das ist ein Regenbogen in Worte gefasst. Mit der Umkehr zu den Menschen hat Gott angefangen. Davon berichtet das Evangelium.
Markus berichtet von der Wüstenzeit Jesu, diesen 40 Tagen. Er wird vom Geist geführt. In der Wüste tritt Satan auf und versucht Jesus. Er will Jesus soll von seinem Weg abbringen, 40 Tage lang. Jesus stellt sich diese Fragen: Was ist mein Weg? Meine Sendung? Mein Auftrag? Der Gegner hat sich in Jesu Kopf eingenistet, kämpft um sein Herz. In einer öden, vertrockneten, verbrannten Welt. Fällt jedoch Regen, blüht die Wüste auf und wird ein Ort des Lebens. Wir hören von den Engeln, denen die Wüste nichts ausmacht.
Die Wüste spielt in der Bibel eine besondere Rolle. Sie steht am Anfang von allem. Die Erde war wüst und leer, heißt es da – Tohuwabohu. Nichts ist geordnet – alles ist offen. Als Gott unsere Welt erschuf, gab er ihr nicht nur das vielversprechende und vielfältige Leben, sondern er schenkte ihr auch eine Ordnung, eine Struktur, eine Verlässlichkeit, die mit Sonne und Mond jeden Tag, jede Nacht neu wird. Das Unheil wird abgetrennt und verbannt. So entsteht ein Lebensraum. Hier können Menschen, Pflanzen und Tiere leben.
Als das Volk Israel die ägyptische Gefangenschaft hinter sich lassen konnte und durch das Meer in die Freiheit zog, musste es durch die Wüste. Zeit für Umkehr und Besserung. Es sollen 40 Jahre gewesen sein. Eine lange Zeit für die Reinigung. In der Wüste lernt Israel Gott und sich kennen. In der Wüste wurden Versuchungen überwunden. In der Wüste wurde Israel das Volk Gottes. Immer unterwegs, auf dem Weg in ein neues, gelobtes Land. Jeden Tag mit Gott. So viel Nähe hat Israel später nie mehr mit ihm gehabt. Die Wüstenzeit entpuppt sich als Glückszeit.
Jetzt ist Jesus in der Wüste. Gottes Sohn wird versucht. Versucht wie wir. Versucht wie Israel in der Wüste. Jetzt klärt sich, was Gottes Weg mit ihm ist. Doch ist Jesus allein? Gott ist in seiner Nähe. Der Himmel umgibt ihn mitten in der Wüste. Hier nimmt er seinen Auftrag an und seine Botschaft: "Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um, und glaubt an das Evangelium!"
Die Fastenzeit lädt ein zur neuen Orientierung am Evangelium.
Diese Orientierung benötigen wir insbesondere in unserer Zeit.
Im Schreiben „Kirche der Verkündigung“ vom 4. Juli 2023 hat Erzbischof Koch dazu geschrieben, dass ein Prozess gestartet werden soll, in dem auch die Kirchen und anderen pastoralen Flächen genau angeschaut werden sollen. In den letzten Jahrzehnten hat sich hier ein großer Sanierungsstau entwickelt und es kommen immer neue staatliche Anforderungen für Gebäude dazu. Insgesamt handelt es sich dabei bistumsweit um etwa 140.000 Quadratmeter in Kirchen und anderen pastoral genutzten Räumen. Das erscheint viel, doch jeweils handelt es sich um konkrete Glaubensorte für Menschen. Kirchengebäude sind emotionale Orte, die Menschen bewegen.
Die damit verbundenen Fragestellungen werden viel Kraft kosten. Doch es lohnt sich, sich auch hier einzubringen. Bei der Dienstbesprechung der Leitenden Pfarrer im Januar 2023 hatten mehrere Teilnehmer darauf aufmerksam gemacht, dass die Schlüsselzuweisungen des Erzbistums an die Pfarreien seit Jahren nicht an die Inflation angepasst wurden. Daraufhin wurde eine Arbeitsgruppe gebildet mit Mitarbeitern des Ordinariates, mit Verwaltungsleitern und am Ende zwei Pfarrern, einem Pfarrer aus Berlin und mich, um jeweils die Perspektive der Pfarreien in Berlin und aus Brandenburg und Vorpommern einzubringen. In weniger als einem Jahr intensiven Verhandlungen ist es gelungen, als Übergangslösung eine nennenswerte Anpassung an die Inflation zu erreichen für bis zu drei Jahren. Für die kirchlichen Verhältnisse ging das sehr schnell. Doch es ist eine Übergangslösung und es wird uns weiter beschäftigen in den kommenden Jahren.
Nun sagt mancher, durch die neue Struktur sollten doch die Pfarrer von Verwaltungstätigkeiten entlastet werden und mehr Raum haben für Seelsorge. Wie bei der Arbeitsgruppe für die neue Bauordnung im Erzbistum Berlin fand sich letztlich trotz intensivem Werben bei der Vertreterversammlung der Kirchenvorsteher des Erzbistums Berlin kein Ehrenamtlicher, der dabei mitwirkt. Es ist auch durchaus verständlich, dass Engagierte sagen, dass sie sich damit bereits im Übermaß im beruflichen Umfeld beschäftigen und in der Kirche etwas ganz anderes machen wollen. Die Verwaltungsleiter bringen viel ein in diese Tätigkeiten, doch ohne die generalistische Sicht der Ortspfarrer fällt dabei vieles aus dem Blick.
So manche berechtigte Kritik an Verhältnissen in unserem Bistum wird geübt. Es ist jedoch durchaus schwierig für mich damit umzugehen, wenn einerseits in Gremien gefordert wird, man solle doch Verwaltungsaufgaben liegen lassen, doch andererseits beispielsweise die Frage unbeantwortet bleibt, wer aus dem Gremium bereit ist, die Verantwortung zu übernehmen, sich nicht mehr darum zu kümmern, die Elektrogeräte fristgerecht entsprechend den rechtlichen Bestimmungen zu prüfen. Bei vielen anderen Thematiken sieht es vergleichbar aus. In der Summe sind diese Verwaltungsaufgaben zu viel, doch welchen Punkt davon soll man bei verantwortlicher Leitung weglassen?
Anfang Dezember hatte bei uns eine Verwaltungsleiterin mit einem halben Stellenumfang angefangen, dazu mit einer weiteren halben Stelle im EBO. In zwei Wochen stellte sie die Vielzahl an damit verbundenen Aufgaben fest und wechselte dann auf eine volle Stelle an einem Ort in der öffentlichen Verwaltung in Berlin. Daher suchen wir erneut eine Verwaltungsleiterin/ einen Verwaltungsleiter.
Ich bin überzeugt, es kommt darauf an, sich einzubringen, wenn man gefragt wird, beim Lösen von Problemen mitzuwirken. Gerade in den vergangenen Monaten habe ich erlebt, dass in den Arbeitsgruppen einerseits dicke Bretter zu bohren sind, aber andererseits diejenigen, die mitmachen, gemeinsam einiges bewegt haben.
Insgesamt hat es sich dabei im Übrigen als sehr sinnvoll herausgestellt, dass ein Pfarrer die Interessen der Berliner Pfarreien vertritt und einer den anderen Teil des Erzbistums, auf Grund der häufig sehr verschiedenen Situationen in diesen zwei Teilbereichen.
Wir wissen, wir leben in schwierigen Zeiten und die anstehenden Probleme erfordern eine tiefgreifende Neuausrichtung beim einzelnen Menschen und in den Gemeinschaften, in denen wir leben.
Doch wir wissen auch: „Nur weil die Strukturen zu Ende sind, heißt das noch lange nicht, dass Gott mit uns am Ende ist.“ (Bischof Rouet von Poitiers)

Im Gebet verbunden

Ihr Pfarrer Steffen Karas