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Pfarrbrief August September Oktober November

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Liebe Schwestern und Brüder,


 

um den 15. Juli 2021 erfuhr Hubert Schilles, ein 68 jähriger Bauunternehmer aus Mechernich-Floisdorf, dass die Steinbachtalsperre nach den extremen Starkregenfällen in der Eifel überlief. Dabei wurde auf der Talseite der Staumauer auf über 100 Meter Breite viel Material abgetragen. Dadurch war in der Staumauer nicht mehr ausreichend Masse vorhanden, um das Wasser hinter der Staumauer sicher zu halten. Zudem war der Wasserstand weit über die normal angestrebte maximale Stauhöhe angestiegen. Lehm und Steine, die vom Staudamm abgetragen wurden, sammelten sich meterhoch am Dammfuß und versperrten den Ablaufkanal des Grundablasses. Mit Pumpen vom Technischen Hilfswerk und der Feuerwehr wurde nun versucht, Wasser aus dem Stausee abzupumpen. Doch waren diese Pumpen nicht leistungsfähig genug.
Mehrere Ortsteile der Stadt Euskirchen mussten deswegen evakuiert werden. Davon waren 4.500 Menschen betroffen.
In dieser Situation wurde Herr Schilles angerufen, ob er helfen könne, verbunden mit dem Hinweis, wie lebensgefährlich diese Arbeit sein würde. Das Wasser stand zu dem Zeitpunkt etwa 18 Meter oberhalb der Arbeitsebene und bei dem drohenden Dammbruch wäre keine Rettung möglich gewesen. Ihm war schnell klar, das ist Chefsache. Das kann ich keinem Mitarbeiter auftragen. Befragt dazu sagte er: „Seit dem 19. Lebensjahr machen wir nichts anderes. Wir sind dazu berufen. Mein Zwillingsbruder und ich haben uns 1989 selbständig gemacht, haben heute 57 Leute beschäftigt. Aber das war klar, es selbst zu machen.“
Mit seinem Bagger hat er dann das alte Tosbecken und den Grundablaufkanal freigelegt, so dass der Weg für das Wasser wieder an der richtigen Stelle frei war.
Jetzt konnte ein Herr Lorenz von der Talsperre die zwei Schieber im Stollen im Staudamm für den Grundablass mit der Hand frei bekommen. Der elektrische Antrieb war ausgefallen.
Vieles gelingt schließlich nur, wenn Menschen, die wissen und können, was sie tun, gut und unaufgeregt, doch zügig und zielorientiert zusammen wirken.
Hier kamen mehrere entscheidende menschliche Punkte zusammen: er war befähigt und berechtigt zu tun, was zu tun war und hatte dazu die nötigen Mittel.
Wesentlich ist dabei die innere Einstellung und Kraft, dann auch tätig zu werden. Dazu sagte Herr Schilles: „Wissen Sie, ich bin ein gläubiger Mensch. Ich habe mich zwei Mal gesegnet als ich runter gefahren bin. ,Du Herr, musst wissen, was passiert`, habe ich gesagt. Und ich hatte keine Sekunde Angst.“ Zudem hatte er seinen Rosenkranz bei dieser Arbeit dabei.
In dieser Verbindung von göttlichem Beistand und menschlicher Tatkraft, begründet auf großer persönlicher Kenntnis und Erfahrung gelang das Werk und der Ablasskanal war frei.
So hoffe ich, dass es gerade in entscheidenden Zeiten immer Menschen gibt, in denen sich die Kraft des Glaubens mit gut entwickelten und entfalteten Talenten verbinden zu guten Werken.
 

Im Gebet verbunden

Steffen Karas, Pfarrer