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Pfarrbrief März April Mai Juni

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Liebe Schwestern und Brüder,


 

wir begehen die Karwoche, in der wir das Zentrum unseres christlichen Glaubens feiern. In früheren Zeiten und andernorts noch heute werden diese Tage mit großen Events der Volksfrömmigkeit ausgeschmückt, beispielsweise Passionsspielen oder große Prozessionen, in denen auf Wagen in Überlebensgröße die Leidensgeschichte Christi dargestellt wird. Manche Elemente dieser Volksfrömmigkeit haben sich in komprimierter Form in unseren Gottesdiensten bewahrt und auch die Liturgie der Heiligen Woche beinhaltet zahlreiche sehr besondere Elemente. Und so haben die Gottesdienste von Palmsonntag bis Ostern ihr ganz einmaliges Gepräge im Kirchenjahr. Sie nehmen uns mitten hinein in die zentralen Erzählungen rund um Tod und Auferstehung Jesu Christi.
Beispielhaft möchte ich dies am Gründonnerstag näher ausführen. Er steht ganz im Zeichen des Letzten Abendmahles Jesu Christi. Der Ursprung der Namensgebung ist nicht restlos geklärt. Recht wahrscheinlich ist die Abstammung vom mittelhochdeutschen "greinen", was sich mit "weinen" oder "wehklagen" übersetzen lässt und somit die Trauer angesichts der bevorstehenden Passion Jesu zum Ausdruck bringt. Allerdings ist das „Grün“ eine Spezialität des deutschsprachigen Raumes. In den meisten Sprachen heiß das Fest „Heiliger Donnerstag“. Die Einmaligkeit des Heiligen Donnerstags wird durch einige kleine Worte in der Liturgie verdeutlicht. Während des Hochgebets spricht der Priester ausschließlich an diesem Tag die Worte: „Denn in der Nacht, da er verraten wurde – das ist heute –, nahm er das Brot …“. Das ist heute! – diese wenigen Wörter enthalten so viel! Die Eucharistie ist nicht nur ein Gedenken oder gar ein bloßes Nachspielen einer historischen Begebenheit. In ihr feiert Christus heute mit der ganzen Kirche und mit jedem Einzelnen von uns Abendmahl und schenkt uns heute Wandlung und Heil.
Interessant ist, dass es im Englischen noch einen weiteren Namen für diesen Tag gibt: Maundy Thursday. „Maundy“ bezeichnet im Englischen die Fußwaschung. Es ist ein weiteres sehr besonderes liturgisches Element, wenn im Gründonnerstagsgottesdienst der Priester zwölf Gläubigen die Füße wäscht. Während der Apostel Paulus und die synoptischen Evangelisten die Einsetzungsworte Jesu zu Brot und Wein überliefern, erzählt der Evangelist Johannes davon, Jesus habe beim Mahl den Jüngern zu ihrem Erstaunen oder sogar Entsetzen die Füße gewaschen – eine Tätigkeit der Sklaven. 1955 hatte Papst Pius XII. das jahrhundertealte, ursprünglich am Gründonnerstagmorgen vollzogene Ritual als möglichen Bestandteil der Abendmahlsmesse eingefügt. Auf Wunsch von Papst Franziskus öffnete die Gottesdienstkongregation 2016 durch einen Erlass das Ritual auch offiziell für Frauen, damit „die volle Bedeutung" der Geste besser zum Ausdruck käme. Mir persönlich erschiene sie noch besser zum Ausdruck zu kommen, wenn nicht nur der Priester zwölf ausgewählten Menschen die Füße wüsche, sondern – zugegebenermaßen logistisch nicht einfach - die versammelten Gläubigen, ob mit oder ohne Weihe, sich untereinander die Füße wüschen. Denn die Formulierung des päpstlichen Erlasses zeigt wiederum: Es geht auch beim liturgischen Element der Fußwaschung eben nicht um ein möglichst originalgetreues Nachspielen der damaligen Begebenheit. Ihre Bedeutung wird vielmehr in den Worten deutlich, die Jesus laut dem Evangelisten Johannes nach seiner Geste deutend sprach: „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen.“ (Joh 13,14) In der symbolkräftigen Handlung werden wir intensiv mit hineingenommen in den Auftrag Jesu, einander zu dienen und einander in Nächstenliebe Gutes zu tun. Vielleicht wäre dies ein möglicher Reflexionsgedanke anlässlich der Fußwaschung: Wem in meinem Umfeld kann ich ganz konkret einen guten Dienst erweisen?
Die zeichenhaften Handlungen setzen sich vielgestaltig fort durch das ganze Triduum, die heiligen drei Tage: etwa in der bewussten Kargheit der Karfreitagsliturgie oder den Lichtritualen der Osternacht. Sie alle tragen dazu bei, die Bedeutung von Tod undAuferstehung Jesu für unseren Glauben, unser Leben, unsere Welt sinnenhaft nachzuvollziehen und zu feiern. Seien Sie herzlich eingeladen zu unseren Gottesdiensten ganz besonders an den Kar- und Ostertagen!
 

Ein gesegnetes Osterfest wünscht Ihnen
Ihre Judith Lübker