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Pfarrbrief Juni Juli August September

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Liebe Schwestern und Brüder,


 

die Sommerzeit gibt vielen Menschen die Möglichkeit sich zu erholen und vom Alltag Abstand zu nehmen. Es gibt Ferien von der Schule, es gibt Urlaub von der Arbeit, gibt es Urlaub von Gott und Kirche? Gewiss nicht. Als Christen sind wir eingeladen an jedem Ort, wo wir uns befinden, wo wir Urlaub machen, einen Gottesdienst zu besuchen, das tägliche Gebet nicht zu vergessen und Gott in der Schöpfung zu entdecken. Einfach Gott treu zu bleiben.

„Treu der Liebe“ – unter diesem Leitmotiv fand am 11. Juni 2022 in Breslau eine Seligsprechung von zehn Elisabethschwestern statt, an der ich teilnehmen durfte. Schwester Maria Paschalis und neun Gefährtinnen: zehn Elisabethschwestern wurden von der Kirche seliggesprochen. Ihre Geschichte bewegt die Herzen und geht nicht so lange zurück. Im Jahre 1945 war die Rote Armee in Schlesien auf dem Vormarsch. Viele Menschen sind aus Angst vor den Soldaten geflüchtet. Man hörte über die schrecklichen Taten von der Roten Armee, besonders was die Frauen anging. Viele Menschen wollten oder konnten jedoch nicht flüchten und sind in ihren Städten geblieben. Unter anderen auch die zehn Ordensschwestern. Obwohl die Gefahr so groß war, haben sie sich entschieden ihre Niederlassungen nicht zu verlassen, und der bisherigen Arbeit treu zu bleiben.

Während der Eroberung der deutschen Gebiete hatte die Sowjetunion die Gelegenheit ihre Rache gegenüber dem deutschen Volk zu zeigen. Ausdruck von Rache ist neben der Bestrafung der Feinde, auch die Zerstörung dessen, was ihnen heilig ist. Das waren aus Sicht der Kommunisten und Atheisten in der Roten Armee vor allem die Religion und die Kirche und damit auch deren Gebäude und sichtbare Vertreter, das heißt, Priester und Ordensleute.

Als die Rotarmisten die Häuser der Schwestern betraten, haben die Schwestern ihre Schutzbefohlene, Frauen, Kinder und Senioren in Schutz genommen. Der Hass gegen die Ordensfrauen war besonders groß. Von den Rotarmisten haben sie nur ein Angebot bekommen, entweder werden sie vergewaltigt, oder sofort erschossen. Einige von den Schwestern mussten leider beides erdulden. Unvorstellbar, was die Schwestern erleben mussten. Sie wollten auf keinen Fall sich den Soldaten hingeben. In Folge dessen sind sie alle zehn, vor den Augen der Frauen, Kinder und Mitschwestern erschossen worden.

Ich habe mich gefragt, warum haben die Schwestern ihren Leben nicht gerettet? Es kam mir nur eine Antwort: sie sind einfach Gott treu geblieben und mit ihren Gelübden, durch die Hingabe für Gott sind sie bereits für diese Welt gestorben. Das irdische Leben war insofern wichtig, wie dieses dem Einsatz für den Nächsten diente. Deswegen war ihnen das Leben nicht wichtig, weil sie bereits auf das Leben verzichtet haben. Sie waren sofort bereit das Leben zu geben, um die anderen zu schützen. Ja, das ganze Leben als Ordensfrau haben sie nichts anderes gemacht. Gott hat ihnen die Kraft gegeben, ihr Leben hinzugeben. Um den Preis ihres Blutes haben sie ihre jungfräuliche Treue bewahrt, die Würde der Frau verteidigt und die Werke der Barmherzigkeit getan.

Schwester Paschalis Jahn und ihre Gefährtinnen haben ihren Glauben an die Verheißung des Lohns im Himmel im Frühjahr 1945 mit ihrem Blut bezeugt. Wir müssen und können es auf unsere Weise tun. Damit auch unser Zeugnis für das Heil der Menschen und den Aufbau seines Reiches fruchtbar wird, dürfen wir diese zehn seligen Schwestern um ihren Beistand und ihre Fürsprache bei Gott bitten. Für die Sommerzeit möge uns Gott segnen.

Im Gebet verbunden

Diakon Tomasz Jablecki